Es war ein „Heimspiel“ für den renommierten Wirtschaftsforscher und Buchautor Dr. Markus Marterbauer, wie es AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer formulierte. Auf Einladung der Arbeiterkammer stellte der aus Laakirchen stammende Marterbauer vor 200 interessierten Zuhörern sein neues Buch „Zahlen bitte!“ vor.
Seine Schlussfolgerungen, die sich auch mit der Meinung der AK decken: Große Vermögen besteuern, um endlich Steuergerechtigkeit zu schaffen. Investieren, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Und die entfesselten Finanzmärkte zügeln, um künftig wirtschaftsbedrohende Finanzkrisen zu vermeiden.
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer wies in seinem Eingangsstatement auf die Ursachen der Krise seit 2008 hin:
- Enthemmte und spekulative Finanzmärkte ohne Maß und Ziel,
- die Ungleichverteilung des Vermögens, indem eine kleine Zahl an Reichen immer reicher wird, und
- die enorme Ungleichverteilung der Wirtschaftsleistung der europäischen Staaten.
„Wir haben keine Staatsschuldenkrise und auch keine Krise des Sozialstaates, sondern eine Krise, die von wilden Spekulanten verursacht wurde“, so Kalliauer.

Europa ist derzeit geprägt von einem enormen Anstieg der Staatsschulden und der Arbeitslosigkeit. Wirtschaftsforscher Marterbauers Erklärung dafür: Der Kollaps der Lehman-Bank führte zu einer Verunsicherung der Finanzmärkte und das zu einem Rückgang der Investitionen. Die Rezession wiederum führte zu einem Rückgang der Steuern und zu zusätzlichen Staatsschulden in Europa von rund 3000 Milliarden Euro.
„Diese zusätzlichen Schulden wurden nicht durch den Sozialstaat verursacht, wie uns immer wieder weisgemacht wird, sondern durch die Bankenhilfen – mit rund 700 Milliarden Euro – und den Rückgang der Steuerleistung aufgrund der Rezession – mit rund 2100 Milliarden Euro“, klärte Marterbauer auf. Zur Bekämpfung der Krise in den südeuropäischen Staaten schlägt Marterbauer drei Maßnahmen vor:
„Die Sparpakete gehören sofort ausgesetzt. Die führen nur zu einer Verminderung der Steuereinnahmen und der Wirtschaftsleistung. Sie bringen nichts.“ Als zweiter Punkt müssten die Zinsen – durch Eingriffe der EU in die Finanzmärkte — verringert werden und als dritter Punkt die Arbeitslosigkeit durch Investitionen gesenkt werden.
Für die Sanierung des österreichischen Staatshaushaltes schlägt Wirtschaftsforscher Marterbauer eine vernünftige Vermögensbesteuerung vor: „Würde der Staat die Vermögen mit nur einem Zehntel Prozent besteuern, könnte er 1,2 Milliarden Euro lukrieren.“ Denn das private Finanz- und Immobilienvermögen beträgt in Österreich 1200 Milliarden Euro. Treffen würde eine solche Steuer in erster Linie die Reichen und Superreichen. Denn nur ein Prozent der Bevölkerung – nämlich die reichsten Österreicher – hortet ein Viertel des Vermögens. Eine spannende und angeregte Diskussion beendete den Abend.